Deutsche Wochen

In den letzten fünf Wochen war ich drei Mal im Kino und drei mal in deutschen Produktionen. Nach dem Resturlaub-Reinfall konnte ich aber Gott sei Dank die beiden letzten Male das Kino mit einem Lächeln verlassen. Schuld daran waren What A Man und der zweite Teil von Männerherzen.

Gleich vorweg: Matthias Schweighöfer darf sowieso schon mal fast alles. Egal ob Soloalbum, Operation Walküre, Keinohrhasen, Zweiohrküken oder Friendship, enttäuscht war ich von einer Rolle, die er spielte noch nie. Liegt es an diesen blonden Löckchen und diesem bubenhaften Grinsen, dass man ihm alles abnimmt? Matthias führte in What A Man nicht nur Regie, sondern spielt außerdem die Rolle des Lehrers Alex Nowak, der sich von seiner Freundin Carolin so ziemlich alles gefallen lässt. Diese betrügt ihn mit einem Testosteronmonster von Nachbarn, woraufhin sich Alex während seines neuen Singledaseins die Frage stellt, was einen Mann zum Mann macht. Zusammen mit seinen Freunden Okke und Nele will er darauf eine Antwort finden. Okke gibt im Unterricht im Mann-Werden und Nele zeigt ihm, dass es eben doch nicht nur auf Machogehabe ankommt. Ziemlich schnell verlieben sich beide einander ohne, dass sie es sich eingestehen wollen. Gut, das war absehbar, wie so einiges im Film, dennoch bringen die beiden das so herrlich warmherig rüber, dass das dem Film keinen Abbruch tut. Der Soundtrack kann sich übrigens auch sehen lassen: Unter anderem Marlon Roudette, Williams Fitzsimmons, Martin And James - eine gute Mischung.

Ob Keinohrhasen, Zweiohrküken, Kokowääh oder beim ersten Teil von Männerherzen - diese Filme mit Til Schweiger schaffen es irgendwie immer, dass man das Kino mit einem warmen, heimeligen Gefühl im Bauch verlässt. Wohlfühlkino eben. Der zweite Teil von Männerherzen stammt wie schon der erste aus der Feder von Simon Verhoeven, der auch den Soundtrack produzierte. Das Leben der fünf Männer geht weiter: Produzent Jerome (Til Schweiger) ist immer noch Single und wird von seinen Eltern schon für schwul gehalten, Günther (gespielt vom großartigen Christian Ulmen) traut sich immer noch nicht so ganz an die Frauen ran und beißt seiner Freundin beim ersten Sex eben mal das Ohrläppchen ab, Philipp und Nina erwarten Zwillinge und haben neben den ganz normalen Ängsten auch noch große finanzielle Probleme, Niklas erkennt, dass er nur mit seiner Ex wirklich glücklich war, die er kurz vor der Hochzeit betrogen hatte und möchte sie zurückgewinnen und Roland sitzt im Gefängnis, da er Günther aus Eifersucht ins Krokodilbecken im Zoo schubste. Da wäre aber auch noch der Schlagerstar Bruce Berger, der mit seiner Art und großartigen Lyrics auch im zweiten Teil absolut überzeugt. Und er hat Recht: Wir suchen doch alle die ganz ganz ganz ganz große Liebe! Herrlich war auch die Facebook-Parodie Spacebook, der Schwangerschaftshechelkurs mit einigen skurrilen Teilnehmern und allein schon die Szene, in der Jerome Reitunterricht auf einem Pony umringt von sechsjährigen Mädchen nimmt ist das Eintrittsgeld wert. Abschließend kann ich nur sagen: Hach, Günther, man möchte dich in den Arm nehmen und dir den richtigen Weg weisen!

Habt ihr schon einen der beiden oder beide Filme gesehen? Habt einen schönen Start ins Wochenende!

Ich mache Resturlaub

Ein Ausflug ins Kino ist bei mir ein recht seltenes Freizeitvergnügen geworden. Zum einen hat man ja doch weit aus mehr Möglichkeiten der Freizeitgestaltung als mit 15, 16 oder 17 Jahren, zum anderen sind die Preise absolut saftig geworden. "Es ist Kinotag! 7€ bitte" - ich kann mich noch an einen Preis von 4,50€ erinnern. Wie auch immer. Jedenfalls ist die Bereitschaft gesunken für viele Filme dieser Welt, die man früher wahrscheinlich mitgenommen hätte, Geld zu investieren. Meine Kinobesuche der letzten zwölf Monate kann man an einer Hand abzählen: Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 1, nennen wir es mal berufsbedingt die Vorpremiere von Rapunzel - neu verföhnt, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2 und gestern Resturlaub.

Buch und Film stammen aus der Feder von Tommy Jaud, der auch Vollidiot, Millionär und Hummeldumm schrieb. Nachdem die Verfilmung von Vollidiot 2007 mit Oliver Pocher einfach nur mau war, hätte man seine Erwartungshaltung vielleicht schon besser von vornherein flach halten sollen - tat ich aber leider nicht.

Der Protagonist Pitschi Greulich lebt zusammen mit seiner Freundin (Sa)Bine im fränkischen Bamberg und nähert sich langsam aber sicher seiner Midlife Crisis. Nach und nach laufen alle seine Freunde in den Hafen der Ehe ein, nur Pitschi mag selbst nach acht Jahren Beziehung nicht annähernd an Hochzeit, Baby und ein Haus mit Kieseinfahrt denken. Nachdem sein bester Kumpel Arne seine Biggi - genannt Ente und so hört sie sich auch wirklich an - heiratet und der gesamte Freundeskreis wenig später zum gemeinsamen Urlaub nach Mallorca aufbrechen möchte, wird es für Pitschi zu viel. Am Flughafen täuscht er um nicht mitfliegen zu müssen einen Raubüberfall vor, verspricht aber nachzukommen, setzt sich aber dann in einen Flieger nach Buenos Aires, um dort ein neues Leben zu beginnen frei von den Zwängen der Sesshaftigkeit. Dort kommt er ohne ein Wort Spanisch zu beherrschen an und mietet sich ein Zimmer in der Wohnung des exzentrischen Tierfriseurs Pedro. Ziemlich schnell merkt Pitschi, dass er doch in Bamberg eigentlich alles hatte, was er zum glücklich sein braucht und beschließt nach Hause zurückzukehren. Es gibt da nur ein Problem: Sein Abschliedsbrief an seine Bine ist längst im Briefkasten daheim angekommen. So setzt Pitschi alles daran vor seiner Bine nach Hause zu kommen, die aus Sehnsucht entschloss den Mallorca-Urlaub früher abzubrechen.

In meinem Kopfkino hat mir das Buch vor ein paar Jahren ziemlich viel Spaß gemacht - da konnte der Film leider nicht mithalten. Ein befriedigendes Kinoerlebnis braucht wohl mehr als flache, vorhersehbare Witze, gefühlte 238 Pups-Gags und auch eine quäkende Ente ist nach 17 Mal nicht mehr lustig. Einzig der Protagonist Pitschi, gespielt von Maximilian Brückner, hat einen Weg in mein Herz gefunden, da er durch massenweise Sympathie und Präsenz überzeugt.

Habt ihr den Film schon gesehen oder wollt ihr ihn euch noch anschauen?

Kokowääh

Nach Keinohrhasen und Zweiohrküken folgt mit Kokowääh ein weiterer Film aus dem Hause Schweiger. Auch dieses Mal verliebt man sich sofort in Til Schweigers Tochter Emma, die die Rolle der Magdalena spielt und uns mit jeder Menge Charm, Witz und großen Kulleraugen verzaubert.

Zwar liegt die Handlung des Films - Trailer und weitere Infos hier - von Anfang an klar auf der Hand, aber das tut dem Film keinen Abbruch. Schweigers Filme tun einfach immer der Seele gut. Zwar hätte ich es interessant gefunden, wenn die Patchworkfamilienproblematik noch intensiver thematisiert gewesen wäre, aber in der Schweigerschen Filmwelt scheinen Probleme immer in sekundenschnelle gelöst zu werden: Emma fackelt beim Spiegeleier machen die halbe Küche ab - macht doch nichts. Diskussionen von Neu- und Alt-Papa um das Töchterchen - ebenfalls kein Problem. Man einigt sich in sekundenschnelle über Magdalenas Erziehung und widmet sich den schönen Dingen des Lebens. Eis essen oder Boot fahren zum Beispiel. Von diesen Stimmungssequenzen gibt es einige im Film. Von sich anlächelnden, kuschelnden Menschen, über Plätzchenbacken inklusive mehligem Chaos bis hin zur Wasserschlacht im öffentlichen Brunnen in voller Montur. All diese Szenen sind unterlegt mit wunderbarer Musik. Der Soundtrack überzeugt genauso wie schon bei Keinohrhasen und Zweiohrküken.

Ende gut, alles gut. Der Zuschauer verlässt nach 126 Minuten Minuten gut unterhalten und entspannt das Kino. Schade, dass nicht alles so einfach ist im Leben. Dank der herzigen Emma hat man am Ende auch die schlechten Witze bzw. flache Anspielungen, wie z.B. die türkischen Bauarbeiter oder die Assi-Schwestern im Supermarkt, vergessen. Schweigersche Wohlfühlbesudelung eben.

Vincent will Meer

Nach leckerem Essen beim Mexikaner ging es gestern anschließend noch ins Kino. Und bevor ich gleich draußen die Sonne genieße, habe ich gerade irgendwie Lust ein kleines Review über den Film zu schreiben.

Der Protagonist Vincent leidet am Tourette-Syndron. Nach dem Tod seiner Mutter wird er von seinem karrieresüchtigen Vater ins Pflegeheim geschickt und trifft dort auf die magersüchtige Marie und den Zwangsneurotiker Alex. Die Asche seiner Mutter hat Vincent immer in einer Bonbondose dabei und um ihr ihren letzten Wunsch, nocheinmal das Meer zu sehen, zu erfüllen, klaut das Trio das Auto der Therapeutin. Die Reise nach Italien beginnt und gleichzeitig ein Abenteuer in das richtige Leben.
Die Palette des Films ist weitreichend. Große Emotionen von Trauer bis hin zu Glück, der Vater-Sohn-Konflikt, eine großartige Alpenkulisse und liebenswerte Charaktere. Einige Lacher liefert der Film natürlich auch, für die nicht zuletzt auch der Sauberheitstick von Alex und die Touretteticks von Vincent zuständig sind, die so clever in die Szenen integriert sind, dass die Witze nicht auf Kosten der Kranken gehen. Sehenswert.